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Vielfalt leben in einer geschlechtergerechten Kirche und Gesellschaft

Frauen wollten in einer Kirche beheimatet sein, die geschlechtergerecht ist, in der Frauen gleich und berechtigt sind, ernstgenommen werden und alle Ämter und Dienste ausüben können, zu denen sie sich berufen fühlten. Der Wallfahrtstag sei eine gute Gelegenheit, um deutlich über notwendige Veränderungen in der Kirche ins Gespräch zu kommen.

Besonderen Nachhall fand die Predigt von Theologin Ulrike Göken-Huismann, geistliche theologische Begleiterin des kfd-Bundesverbandes, in der Andacht: Die Theologin warf den Blick auf die alttestamentlichen fünf Schwestern Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza. Diese kämpften nach dem Tod des Vaters und nach der 40jährigen Wanderung durch die Wüste bei der Ankunft im gelobten Land um das Erbrecht auf Landbesitz und gingen im Beisein von Mose und den Schriftgelehrten ein außergewöhnliches Wagnis ein. Ein ratloser Mose übergab die Rechtsfrage Gott – „und Gott passte das Gesetz den Bedürfnissen der Frauen an, ihre Not und ihr Rechtsanspruch sind wichtiger als Gesetzestexte. Gott sprach den Töchtern des Zelofhad Grundbesitz zu, obwohl sie Frauen sind. Das Bündeln der Fähigkeiten und die schwesterliche Solidarität beeindruckt mich immer wieder aufs Neue“, so die Theologin. Aus ihrem Glauben heraus hätten es die Schwestern gewagt, gegen überkommene Traditionen aufzustehen und ihre Stimme zu erheben. „Um welches Erbrecht streiten wir, besonders in unserer Kirche? Aus großer Liebe zu unserer Kirche? Die kfd fordert unser Erbrecht: die volle Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche“, so Göken-Huismann. Zu allen Zeiten seien Frauen in der Bibel und in der Kirchengeschichte zu finden, die ihre Stimme erhoben haben, um einzufordern, was ihnen zu stand und um auf ungerechte Strukturen und Verhältnisse aufmerksam zu machen. Die starken Schwestern aus dem Alten Testament haben den Wallfahrerinnen deutlich vor Augen geführt, dass Frauen oftmals mehr können, als sie ahnen. In der kfd erleben Frauen eine starke und solidarische Gemeinschaft, die sich um ihre Belange annimmt und einander im Alltag und in herausfordernden Situationen unterstützt.

Die Eucharistiefeier am Nachmittag stand unter der Leitung von kfd-Präses Pfr. Sebastian Heindl und dem geistlichen Berater des Diözesanverbandes, Pater Dr. Korbinian Linsemann aus St. Bonifaz/München, unterstützt im Altardienst von der geistlichen theologischen Begleiterin Elisabeth Rappl und Ulrike Göken-Huismann. In seiner Predigt griff Präses Pfr. Heindl die biblischen Texte des Gottesdienstes (Witwe von Sarepta und die Hochzeit zu Kanaan) auf und betonte, dass diese Frauen Beispiel und Ermutigung für unser Tun und unseren Glauben an eine gute Zukunft seien. Die Situation

der Frauen in der Kirche ließe sich an den von Dekanatsleiterinnen zum Altar gebrachten Krügen verdeutlichen: der brüchig  gewordene Krug stehe für das Zerrinnen mancher Erwartungen; der leere Krug für die Überlegung, dass vielleicht erst etwas leer werden, ganz aufhören müsse, bis etwas neues beginnen könne, auch in der Kirche; und der volle Krug für das Erleben von so viel Engagement in der kfd, so vielen Ideen in den Ortsgruppen. „Nicht austreten aus der Kirche und dem Glaubensleben, sondern eintreten – dazu möchte ich Sie heute alle ermutigen“, lautete der Appell des Seelsorgers. Musikalisch gestaltet wurde der Wallfahrtstag vom Landfrauenchor Rosenheim unter der Leitung von Heide Hauser, die Kollekte der Messfeier ging in diesem Jahr an Solwodi München, einer von Sr. Dr. Lea Ackermann gegründeten Fachberatungsstelle, die Frauen und Mädchen nach Gewalterfahrung betreut.

Vor und nach Andacht und Gottesdienst konnten sich die Teilnehmerinnen in Unterschriftslisten des Bundesverbandes eintragen und damit das kfd-Anliegen nach einer geschlechtergerechten Kirche unterstützen. „Über die vielen hundert Unterschriften, die zusammenkamen, sind wir sehr froh, um unser Anliegen möglichst breit zu untermauen. Damit unterstützen wir auch unseren Kardinal Reinhard Marx, der sich mutig auf den synodalen Weg gemacht hat und den Forderungen und Anliegen der Frauen in sämtlichen Gremien Ausdruck verleiht“, unterstrich kfd-Diözesanvorsitzende Regina Braun. Die kfd-Mitglieder sollten keinesfalls nachlassen in ihrem Bemühen um eine geschlechtergerechte und partnerschaftliche Kirche und mit möglichst vielen Frauen ins Gespräch zu kommen. Der Wallfahrtstag wurde den Tag über auch von einem BR-Fernsehteam begleitet.    

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